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Zur Gründung

Die Initiative zur Gründung von Pro Scientia verdankt dieses "Österreichische Studienförderungswerk" vor allem Dr. Karl Strobl, dem Sohn eines Weinbauern aus Poysdorf. Er wurde 1908 dort geboren, 1931 in Wien zum Priester ordiniert und 1938 zum Leiter der Studentenseelsorge in Wien berufen. 1945 gründete er die Katholische Hochschulgemeinde Wien und leitete sie als Hochschulseelsorger bis 1969. Dann wurde er Domkapitular zu St. Stephan in Wien, Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion Österreich und Rektor des Afroasiatischen Institutes. 1980 ergriff er die Initiative zur Gründung des Otto-Mauer-Fonds und des ?Forums St. Stephan ? Gespräche zwischen Wissenschaft, Kultur und Kirche" sowie zur Stiftung des ?Msgr. Otto Mauer Preises". Er starb 1984 in Wien und wurde in Poysdorf begraben.

 

Als Hochschulseelsorger war Strobl regelmäßig Gast bei der Konferenz deutscher Studentenpfarrer. Dort lernte er den Akademikerseelsorger der Diözese Rottenburg-Stuttgart Bernhard Hanssler (1907-2005) kennen, den Mitbegründer der Studienförderung der Deutschen Bischöfe, des ?Cusanuswerks", dem er als erster Geschäftsführer ab 1956 vorstand. Strobl verfolgte mit Interesse Hansslers Berichte darüber und war überzeugt, dass Österreich ein ähnliches Werk brauchen würde.

 

Er sprach darüber mit den übrigen Hochschulseelsorgern, vor allem mit Egon Kapellari in Graz. Er informierte Persönlichkeiten aus Staat und Kirche; er diskutierte mit Professoren und Studenten. Seine Gesprächspartner in Wien waren vor allem der Akademikerseelsorger Otto Mauer (1907-73) und der Pastoraltheologe Ferdinand Klostermann (1907-82), die Ministerialrätin Agnes Niegl und Professor Hans Tuppy. Von vornherein war allen klar, dass Kirche und Staat in Österreich das Projekt nicht nach dem Maßstab des Cusanuswerks dotieren können. Strobl erklärte: Das Geld ist nicht so wichtig. Wichtig ist es, die Hochbegabten zu entdecken und miteinander bekannt zu machen. Wichtig ist das Gespräch über die fundamentalen Fragen des Lebens und der Wissenschaft.

 

Strobl berichtete regelmäßig dem Kardinal Franz König, der sich für das Projekt sehr interessierte und den Rat erteilte, dass bei der Auswahl der Kandidaten weniger Vorzugszeugnisse als "starke Begabungen", auch gerade bei religiös indifferenten Schülern, maßgeblich sein sollten. - Unterrichtsminister war damals (1964-69) Theodor Piffl-Percevic, der das Projekt sofort verstand und es auch zu seinem Anliegen machte. Damit waren die Voraussetzungen zur Gründung eines öffentlichen Vereins gegeben, der von Kirche und Staat dotiert sowie von verschiedenen Einrichtungen und privaten Sponsoren gefördert werden soll.

 

Die Gründungssitzung fand in der Katholischen Hochschulgemeinde Wien statt. Das Beschlussprotokoll darüber beginnt mit dem Satz: "Der Verein PRO SCIENTIA, Österreichisches Studienförderungswerk, wurde am 21. Juni 1966 in Wien gegründet." Als Proponenten traten Karl Strobl und Egon Kapellari auf. Die Anwesenden konstituierten sich als 1. Mitgliederversammlung und wählten die Funktionäre.

 

Karl Strobl und Egon Kapellari sprachen im Sommer 1966 in Bad Godesberg mit Prälat Hanssler über den Aufbau und die Arbeitsweise des Cusanuswerks. Über die Zielsetzung und die Methoden der Förderung zeigte sich eine weitgehende Übereinstimmung.

 

In Gesprächen über einen Namen für das Österreichische Studienförderungswerk wurden Kardinal Newman und G.W. Leibniz genannt; die Bischöfe dachten eher an einen Förderer der Wissenschaft aus Österreich. Agnes Niegl erinnerte an die 1964 von Kardinal König gegründete Stiftung PRO ORIENTE und schlug den Namen PRO SCIENTIA vor, was allgemeine Zustimmung fand.

 

Bei einem Fest "40 Jahre Cusanuswerk" am 2. Juni 1996 in Schloss Eringerfeld sprach Alt-Bundespräsident Roman Herzog Sätze, die auch für die "40 Jahre Pro Scientia" gelten: "Begabtenförderung geschieht nicht nur, damit aus einem begabten Physikstudenten ein noch besserer Physiker wird. Begabtenförderung soll Physikstudenten mit Philosophen ins Gespräch bringen, Germanisten mit Biologen, Mediziner mit bildenden Künstlern. ... Denn zum wirklichen Denken kommt man nur, wenn man sich ganz anderen Denkmustern auszusetzen gelernt hat. ... Entscheidend werden nicht diejenigen sein, die im wissenschaftlichen oder politischen Windkanal die geringsten Widerstandswerte erzielen. Das innovative Denken, von dem unsere Zukunft abhängt, wird nur von unabhängigen, souveränen - und deshalb manchmal unbequemen - Köpfen geleistet werden.

 

Ich hoffe, dass solche Köpfe auch in unseren Förderungswerken ihren Platz haben.

 

Wilhelm Zauner, Linz im August 2006

 

 

 

Prälat Wilhelm Zauner, geb. 1929, ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz. Der Autor war über lange Jahre Akademiker- und Hochschulseelsorger in der oberösterreichischen Hauptstadt. Er gilt als einer "der führenden nachkonziliaren Theologen in Österreich" (Paul Zulehner) und war unter anderem mit dem Kreis um Msgr. Otto Mauer und Prälat Karl Strobl eng befreundet.