Datum/Zeit
10. März 2026
19:00 - 21:00
Adresse
Otto Mauer Zentrum
Währinger Str. 2-4
Wien 1090
Österreich
Treffen der Wiener PRO SCIENTIA-Gruppe
Vortrag von Alexander Pelzer
Arbeitsteilung und gesellschaftliche Transformation.
Ein kulturevolutionäres Entwicklungsmodell
Vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren haben Hominiden begonnen, Steinwerkzeuge zu produzieren. Sie schlugen Splitter von Steinen ab und verwendeten sie als Messer, um Beute zu zerlegen. Kognitionsarchäologischen Modellen zufolge braucht es für einen solchen
Produktionsprozess ungefähr 12 Schritte, die koordiniert durchgeführt werden müssen. Eine Person kann den ganzen Prozess alleine durchführen, sobald sie einmal damit vertraut ist.
Im Jahr 2008 wurde am CERN mit dem Large Hadron Collider der längste Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb genommen. Er kühlt rund 1500 Magneten auf −271,3°C herab und beschleunigt Protonen oder Ionen fast bis auf Lichtgeschwindigkeit, lässt sie dann kollidieren und detektiert die Partikel, die nach dem Aufprall entstehen. Die Teilchen kollidieren nur miteinander, wenn sie mit größter Präzision über eine Strecke von 27 km gelenkt werden. Zwei Teilchen in einem Teilchenbeschleuniger verhalten sich zueinander wie zwei Nadeln in einem Korridor von 10 km Durchmesser. Die Schritte, die es braucht, um einen Teilchenbeschleuniger zu entwerfen, zu bauen, in Betrieb zu nehmen und die Ergebnisse auszuwerten, hat niemand gezählt. Es dürfte sich um mehrere Zehntausend oder Hunderttausend, wenn nicht gar um Millionen handeln. Am CERN arbeiten derzeit rund 2500 Ingenieure und 12 200 Wissenschaftler:innen aus 110 Ländern.
Vor 100.000 Jahren haben wir Steine aufeinandergeschlagen. Heute lassen wir Partikel kollidieren. Wie lässt sich eine solche Weiterentwicklung aus Sicht der kulturellen Evolutionstheorie erklären? Welche Rolle spielt Arbeitsteilung dabei? Und was kann man aus solchen Beispielen über gesellschaftliche Transformation lernen?