Datum/Zeit
31. August 2026
19:30 - 21:00
Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich
Arbeit an der Großen Transformation –
Zur Epistemologie des Wandels in Natur, Umwelt und Gesellschaft
IVO FRANKENREITER
Der Begriff der „Großen Transformation“ konfrontiert uns mit der Ambivalenz von Veränderung. Als politische Aufforderung markiert er den umfassenden Anspruch einer sozial-ökologischen Transformation aller Gesellschaftsbereiche. Als wissenschaftlicher Leitbegriff versucht er, den Umgang mit den Transformationen in Natur, Umwelt und Gesellschaft zu orientieren, denen wir uns ausgesetzt sehen. An die Ethik stellt er die Herausforderung, eine sich derart transformierende Welt überhaupt angemessen zu begreifen, um nicht schon durch ein verkürztes Problemverständnis den Blick auf konstruktive Lösungen zu blockieren.
Transformationsethik verbindet daher die transitive und reflexive Dimension, indem sie nicht nur ihren Gegenstand – das, was transformiert wird bzw. sich transformiert – analysiert, sondern die Transformation auch zur Denkform der ethischen Reflexion macht, also von einem statischen Subsumptions- und Deduktionsmodell zu einem dynamischen, unabgeschlossenen und korrekturoffenen Denken übergeht.
Die philosophische Perspektive bündelt somit grundlegende Fragen danach, was Transformation ist, wie wir sie erkennen und wie unterschiedliche Erkenntnisweisen und Begriffe die Weichen für unseren Umgang mit ihr prägen. Weil dieser Umgang nie an einem Nullpunkt beginnt, sondern immer schon verstrickt in Pfadabhängigkeiten stattfindet, kommt die Frage nach Kurswechseln in den Blick, theologisch also die von Papst Franziskus stark gemachte Aufforderung zu einer „ökologischen Umkehr“, für deren Ermöglichung eine biblische Hermeneutik des Neuen steht. Der Vortrag will damit den Horizont aufspannen für eine ethische Reflexion der verschiedenen Situationsanalysen im Rahmen der Akademie, der daraus abgeleiteten Ansätze sowie der erkenntnisleitenden Begriffe, mit denen beide verbunden werden.
Ivo Frankenreiter ist Akademischer Rat am Lehrstuhl für Christliche Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat in Tübingen, München und Paris Philosophie und Katholische Theologie studiert und beschäftigt sich seitdem schwerpunktmäßig mit Fragen der christlichen Umweltethik, gesellschaftlichen Transformationen, Prozessphilosophie und -theologie sowie mit der Rolle des Geldes in modernen Gesellschaften. 2024 erschien seine Dissertation „Prozessontologische Transformationsethik. Versuch einer Epistemologie des Wandels in Natur, Umwelt und Gesellschaft“.