Datum/Zeit
3. September 2026
9:00 - 10:30
Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich
Transformation Literacy – Die Psychologie des Zukunftsgestaltens
Irina Nalis-Neuner
Wir leben in einer Zeit, in der sich nahezu alles verändert. Und trotzdem sprechen wir erstaunlich oft darüber, wie wir Veränderungen bewältigen. Vielleicht stellen wir die falsche Frage. Denn die Herausforderungen unserer Zeit verlangen nicht nur nach Resilienz, sondern vielleicht auch Resonanz und Gestaltungsfähigkeit. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Klimakrise oder geopolitische Umbrüche sind keine isolierten Entwicklungen. Sie bilden ein Geflecht sogenannter Wicked Problems: komplex, miteinander verwoben und ohne einfache Lösungen. Die entscheidende Ressource ist deshalb nicht, Unsicherheit möglichst rasch zu beseitigen, sondern sie produktiv nutzen zu lernen.
Aus dieser Beobachtung entwickelt sich das Forschungsfeld der Transformationspsychologie. Im Zentrum steht die Frage, welche psychologischen Ressourcen Menschen, Teams und Organisationen benötigen, um Wandel nicht nur auszuhalten, sondern aktiv mitzugestalten. Ich fasse diese Fähigkeiten unter dem Begriff Transformation Literacy zusammen. Dazu zählen unter anderem Ambiguitätstoleranz, psychologische Sicherheit, kreative kollektive Wirksamkeit und systemisches Denken.
Der Vortrag verbindet aktuelle Erkenntnisse aus Psychologie, Digitalem Humanismus und Transformationsforschung mit Beispielen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Er zeigt, warum technische Innovation allein nicht genügt und weshalb Zukunft immer auch eine psychologische Gestaltungsaufgabe ist. Transformation Literacy versteht Veränderung nicht als Ausnahmezustand, sondern als Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. Der Veränderungsmuskel ist trainierbar. Und weil die großen Herausforderungen unserer Zeit nur gemeinsam gelöst werden können, gilt mehr denn je: Transformation ist ein Teamsport.
Irina Nalis ist promovierte Psychologin. Sie entwickelt das Forschungsfeld der Transformationspsychologie und untersucht psychologische Ressourcen, die Individuen, Teams und Organisationen befähigen, digitale, ökologische und gesellschaftliche Transformation aktiv zu gestalten. Aktuell forscht sie an der TU Wien zu Digitalem Humanismus und verantwortungsvoller Künstlicher Intelligenz. Sie verbindet Forschung mit Design, Wissenschaftskommunikation und gesellschaftlicher Praxis als Kuratorin des Elevate Festivals. Ehrenamtlich ist sie Obfrau des Verein GiN für die Assistenz von Menschen mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen und Mitglied des Creative Industries Rats des Bundesministeriums für Wirtschaft.