Datum/Zeit
4. September 2026
9:00 - 10:30
Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich
Transformation in der Pflanzenzucht – Wie und warum?
Ortrun Mittelsten Scheid
Die seit ca. 10.000 Jahren betriebene Pflanzenzucht nützt genetische Vielfalt, die spontan oder durch Anwendung von radioaktiver Strahlung oder Chemikalien entsteht. Sie ist zeit- und arbeitsaufwändig und zufallsabhängig. Neue Methoden erlauben aber gezielte Veränderung bestehender Gene, z.B. durch die „Genschere“ CRISPR oder durch den Einbau definierter zusätzlicher DNA-Sequenzen in das Genom (auch als Transformation bezeichnet). Beide Verfahren beruhen auf natürlichen, biologischen Prinzipien, die nun im menschlichen Interesse angewandt werden können. Sie haben die Pflanzenzucht schneller, präziser und vielseitiger gemacht. Im Gegensatz zum Einsatz der Methoden in Medizin, Pharmazie und Lebensmittelherstellung ist aber die „grüne Gentechnik“ ein rotes Tuch in der öffentlichen Wahrnehmung und unterliegt in Europa strenger gesetzlicher Regulierung, die de facto die Anwendung unterbindet. Die gesellschaftliche Ablehnung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen und wird von verschiedenen Lobby-Gruppen propagiert. Bedingt durch Klimaveränderungen, Landverbrauch, Bevölkerungswachstum und Konsumverhalten ist die rasche Entwicklung neuer Kulturpflanzensorten aber unerlässlich und der Verzicht auf das Potential der neuen Verfahren fragwürdig, wenn nicht sogar unverantwortlich. Der Vortrag soll (1) die biologischen Grundlagen konventioneller und neuer Methoden der Pflanzenzüchtung erläutern, (2) darlegen, was die neuen Verfahren bewirken bzw. nicht bewirken können und (3) zur Transformation in Richtung wissenschaftsbasierter gesellschaftlicher Entscheidungen beitragen.
Ortrun Mittelsten Scheid ist Expertin für Epigenetik und Genetik bei Pflanzen. Nach der Promotion an der Universität Hamburg (DE) hat sie als Postdoc am Max-Planck-Institut für Zellbiologie in Ladenburg (DE), an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich (CH) und am Friedrich Miescher Institut in Basel (CH) gearbeitet und sich in Basel und Wien habilitiert. Von 2004 bis 2023 war sie Forschungsgruppenleiterin am Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) in Wien, einem Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Seitdem gehört sie zum Kommunikationsteam des GMI und setzt sich für die Vermittlung von Wissenschaft und die Unterstützung junger Wissenschaftler:innen ein.