PHILIPP THER – In den Stürmen der Transformation

Datum/Zeit
5. September 2026
11:00 - 12:30

Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich

In den Stürmen der Transformation – Die globale Konkurrenz zwischen Europa und China anhand der Werftindustrie

Philipp Ther

Der Schiffbau stellt in der heutigen Weltwirtschaft einen Schlüsselsektor dar, werden doch mehr als 90% des Welthandels über See abgewickelt. In der frühen Nachkriegszeit dominierte Europa den zivilen Schiffbau, bevor diese Vormachtstellung in den 70er Jahren an ostasiatische Konkurrenten verloren ging. In den 1990er Jahren kam es, vor allem bedingt durch die Integration post-kommunistischer Unternehmen, zu einem kurzen Wiederaufschwung, der aber durch einen erneuten Abwärtstrend nach der Jahrtausendwende wieder zunichtegemacht wurde (siehe Brunnbauer, Ther u.a. „In den Stürmen der Transformation“).

Diese Entwicklung muss im Zusammenhang mit den Erweiterungen der EU sowie der WTO verstanden werden, da sich China dadurch vollständig in den Weltmarkt integrierte und in Folge seinen globalen Marktanteil rapide ausbauen konnte. Das Projekt befasst sich mit den Gründen für diese globale Verlagerung der Industrieproduktion von Europa nach Ostasien, insbesondere China.

Die Anfangshypothese geht davon aus, dass dieser Prozess durch eine langfristige Industriepolitik und einen finanzialisierten Staatskapitalismus ermöglicht wurde, ein Modell, das der EU und ihren Wettbewerbsgesetzen der letzten zwei Jahrzehnte überlegen zu sein scheint. Der Vortrag bezieht sich auf eine vergleichende Fallstudie zu einer chinesischen Werft, welche Wirtschafts- und Arbeitsgeschichte mit einem Polanyi’schen Ansatz verknüpft.

 

 

Philipp Ther (geb. 1967) ist seit 2010 Professor für Geschichte Ostmitteleuropas (Institut für Osteuropäische Geschichte) an der Universität Wien, wo er auch das von ihm gegründete Research Center for the History of Transformations (RECET) leitet. Zuvor hatte er am EUI in Florenz eine Professur für vergleichende Geschichte Europas inne. Seine Forschung befasst sich mit der vergleichenden Sozial- und Kulturgeschichte Zentraleuropas im 19./20. Jahrhundert, insbesondere mit den Themen Nationalismus, Migration, Musik, und Transformationen seit den 80er Jahren. Sein Buch Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent (2014) wurde mit dem Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet und in sieben Sprachen übersetzt. 2022 verfasste er als Teil des „Werftenkollektivs“ In den Stürmen der Transformation; 2025 publizierte er das musikgeschichtliche Werk Der Klang der Monarchie. Seine höchste Auszeichnung war der 2019 verliehene Wittgenstein-Preis des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF).