Datum/Zeit
1. September 2026
14:30 - 18:00
Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich
ARBEITSKREIS
Ovids Metamorphosen – Transformation als Perspektivenwechsel
Mona Kirchhofer
Kürzlich wurde in den Medien intensiv darüber diskutiert, ob und warum Lateinunterricht heute noch sinnvoll ist. Als Klassische Philologin bin ich dabei sicherlich nicht unvoreingenommen – dennoch möchte ich kurz zeigen, was mich an diesem Fach besonders fasziniert: Kaum ein anderes Fach bietet die Möglichkeit, Texte so genau zu durchdringen. Durch die zeitliche Distanz können Themen ohne unmittelbare politische Brisanz aufgegriffen und diskutiert werden. Und auch wenn die Inhalte scheinbar verstaubt wirken, beschäftigen uns heute meistens dieselben Fragen.
Der von mir geplante Arbeitskreis soll einen kleinen Einblick in diese Arbeitsweise geben. Im Zentrum stehen dabei zwei ausgewählte Verwandlungsmythen aus Ovids Metamorphosen, die literarisch faszinierend, zugleich aber in ihrer Deutung herausfordernd sein können: die vielleicht bekannte Geschichte über Apoll und Daphne sowie die Erzählung von Pygmalion. Wir analysieren nicht nur die antiken Texte selbst, sondern auch Vergleichsmaterial, darunter beispielsweise die Kurzgeschichte Galatea der New-York-Times-Bestsellerautorin Madeline Miller.
Ziel des Arbeitskreises ist es, Verwandlung nicht nur als narratives Motiv zu verstehen, sondern als Ausgangspunkt für Interpretation, Diskussion und Perspektivwechsel: Welche Konflikte werden sichtbar? Welche Handlungsspielräume haben die Figuren? Inwiefern können diese beiden Mythen auch für heutige Leser:innen relevant sein?
Für den Arbeitskreis sind selbstverständlich keine Lateinkenntnisse notwendig, ich werde die Texte in Übersetzung mitbringen.
Mona Kirchhofer hat im vergangenen Herbst ihr Masterstudium für Mathematik und Latein auf Lehramt erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seit März als Praedoc am Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein der Universität Wien. Ihr Dissertationsprojekt widmet sich einem Werk des Humanisten Leon Battista Alberti – einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die sie bereits seit ihrer Bachelorarbeit begleitet und fasziniert. Sie interessiert sich insbesondere für die Interpretation lateinischer Texte sowie deren Bedeutung für heutige Fragestellungen. Außerdem beschäftigt sie sich sehr gerne mit didaktischen Fragen, etwa damit, wie eine sinnvolle Einbindung von KI in den Lateinunterricht aussehen könnte. Mona ist seit 2025 PRO SCIENTIA Stipendiatin.