ALUMNIABEND mit Ruth Isser und Christopher Albert – Blei zu Gold

Datum/Zeit
4. September 2026
19:30 - 21:00

Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich

ALUMNIABEND
Blei zu Gold – Alchemie …

Ruth Isser

Der Vortrag führt in zentrale Konzepte und Praktiken der mittelalterlichen Alchemie ein und verortet sie im Spannungsfeld von Naturphilosophie, Erfahrungswissen und frühwissenschaftlicher Erkenntnissuche. Ausgehend von grundlegenden Prinzipien – der Transmutation von Stoffen, der Bedeutung von Materie sowie verborgener Naturkräfte – werden Voraussetzungen und Zielvorstellungen alchemistischer Arbeit skizziert, ebenso wie Zufallsfunde auf dem Weg zum Stein der Weisen.

Im Zentrum steht ein spätmittelalterlicher Traktat aus der erzbischöflichen Hofbibliothek Salzburgs. Der Text gibt Einblick in konkrete Praktiken sowie in die zugrunde liegenden Vorstellungen. Dabei zeigt sich, dass alchemisches Arbeiten nicht allein auf die Herstellung von Gold oder Elixieren ausgerichtet war, sondern auch als ein von Versuch, Irrtum, Verschleierung und Vortäuschung geprägter Prozess verstanden werden muss. Diese Faktoren verdichten sich schließlich zu einer Art „Alchemistenkodex“, der in modifizierter Form bis in moderne Laborkontexte nachwirkt.

 

… trifft Teilchenbeschleuniger

Christopher Albert

Mit Robert Boyle und Antoine Lavoisier beginnt die moderne Wissenschaft der Materie: Boyle löst 1661 den Elementbegriff aus der alchemistischen Tradition, Lavoisier formuliert 1789 die Massenerhaltung. Mendelejew ordnet 1869 die Elemente im Periodensystem. Erst die Kernphysik macht Elemente selbst veränderlich: Becquerel entdeckt 1896 die Radioaktivität, Rutherford gelingt 1919 die erste künstliche Transmutation, Lawrence baut 1931 den ersten Zyklotron-Prototyp. Diese Linie führt zu den heutigen Beschleunigern am LHC. Im Mai 2025 berichtete die ALICE-Kollaboration, dass in ultraperipheren Blei-Blei-Begegnungen starke elektromagnetische Felder Protonen aus Bleikernen entfernen können. Werden drei Protonen entfernt, entsteht kurzzeitig Gold. Wir verfolgen diese Entwicklung von der chemischen Ordnung der Elemente bis zur messbaren Transmutation in modernen Großexperimenten.

 

 

Ruth Isser ist Universitätsassistentin (PostDoc) am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg für die Bereiche Mittelalter und Gender Studies. Nach dem Studium der Germanistik und der Gender Studies in Innsbruck promovierte sie in Salzburg in den Geschichtswissenschaften mit einer Arbeit zur Tiroler Landesfürstin Eleonore von Schottland, in der sie insbesondere Handlungsspielräume (Agency) und Wissenspraktiken spätmittelalterlicher Frauen untersucht. Die Arbeit befindet sich gerade in Druck und wird demnächst bei Thorbecke in der Reihe der Mittelalter-Forschungen erscheinen. Ruth Issers Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Frauen- und Geschlechterforschung, der Materialitäts- und Medizingeschichte sowie in der Wissensgeschichte, mit besonderem Interesse an der Entwicklung vormoderner Naturdeutungen. Außeruniversitär ist sie zertifizierte Kräuterpädagogin und Schmerztherapeutin und leitet Workshops zum traditionell historischen Buchbinden und Illuminieren. Ruth Isser war von 2020 bis 2023 PRO SCIENTIA Stipendiatin.

 

Christopher Albert ist theoretischer und numerischer Plasmaphysiker und war 2015 bis 2018 PRO SCIENTIA Stipendiat. Seit 2021 leitet er die Arbeitsgruppe Plasmaphysik am Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität Graz, seit 2025 als assoziierter Professor. Seine Forschung verbindet Hamiltonsche Mechanik, kinetische Theorie, strukturerhaltende numerische Methoden und physikinformiertes maschinelles Lernen. Im Mittelpunkt stehen Teilchenbahnen, Transportprozesse und dreidimensionale Störungen in Fusionsplasmen. Zuvor arbeitete er am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching. Neben Forschung und Lehre entwickelt er wissenschaftliche Simulationssoftware.