Datum/Zeit
2. September 2026
20:00 - 21:30
Adresse
JUFA Hotel Waldviertel
Hamerlingstraße 8
Raabs an der Thaya
Österreich
Die Hagia Sophia – Transformationen eines Bauwerks und seiner Ausstattung
Barbara Schellewald
Im Zentrum des Vortrags steht der imposante Kuppelbau der Hagia Sophia (Istanbul, ehemals Konstantinopel), der als zentraler Ort der orthodoxen Kirche wie auch des byzantinischen Reiches im Jahr 537 durch den byzantinischen Kaiser Justinian I. (527-565) eingeweiht worden ist. Am und im Bau, an seiner visuellen Präsenz in der Stadt, der architektonischen Disposition wie seiner rituell-liturgischen Ausstattung manifestieren sich über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart paradigmatisch kulturelle Verschiebungen, bedingt durch ideologische und politische Veränderungen. Funktionale Neuzuschreibungen werden materiell und visuell verifizierbar. Anhand zentraler Ereignisse, wie der Einnahme Konstantinopels durch Sultan Ahmed II. im Jahr 1453, lassen sich komplexe Transformationsprozesse aufzeigen. Bei diesen wird durch die Umwandlung in eine Moschee als Ayasofya eine über Jahrhunderte dominierende Identität als christlich-orthodoxe Kirche nicht gänzlich auslöscht, sondern ihre legendäre Geschichte wird so umformuliert, dass ihre christliche Geschichte mit der islamischen verwoben werden kann. Ein sich derart bis heute abzeichnender Wandlungsprozess tangiert auch die christlichen, bildpolitisch signifikanten und in mehreren Phasen entstandenen Mosaiken, die sukzessive integriert, partiell verborgen, überschrieben oder gezielt verändert worden sind.
Das jüngste Kapitel nimmt seinen Auftakt am 10. Juni 2020, als das Oberste Verwaltungsgericht in Ankara die am 24. November 1934 getroffene Entscheidung, die Hagia Sophia von einer Moschee in ein Museum umzufunktionieren, annulliert. Ob aktuell die Identität des Bauwerks als Weltkulturerbe beeinträchtigt wird, wird zu Ende des Vortrags zu reflektieren sein.
Barbara Schellewald war 1994-2004 Professorin für die Kunstgeschichte des Mittelalters mit einem Schwerpunkt zur byzantinischen Kunstgeschichte an der Universität Bonn und von 2004 bis zur Emeritierung 2020 Professorin für Ältere Kunstgeschichte an der Universität Basel. 2008-2017 war sie Direktoriumsmitglied des Nationalen Forschungsschwerpunktes (NCCR) Eikones (oder Bildkritik), zuletzt mit dem Modul Enthüllen und Verbergen. Methoden des Bildes in der Vormoderne. 2019 war sie Warburg-Professorin am Warburg-Haus, Hamburg. 2022-2023 lehrte sie als Seniorprofessorin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität in Berlin