Doha Nasr – Mixed Courts in Ägypten

Datum/Zeit
5. Mai 2026
19:00 - 21:00

Adresse
Otto Mauer Zentrum
Währinger Str. 2-4
Wien 1090
Österreich

Treffen der Wiener PRO SCIENTIA-Gruppe

mit einem Vortrag von

Doha Nasr
Mixed Courts in Ägypten (1876–1949) als Akteure von (völker-)rechtlicher Transformation im semi-kolonialen Kontext
Zwischen formaler Zugehörigkeit zum osmanischen Reich und einer erstarkenden europäischen Einflussnahme entwickelte sich im Ägypten des späten 19. Jahrhunderts ein Rechtssystem, das in vielerlei Hinsicht zwischen den Welten stand. Als Teil eines größeren Fortschrittsnarratives sollte dem als „unzivilisiert“ erachteten Justizsystem Ägyptens zu einer Modernisierung verholfen werden.
Die sog. Mixed Courts, gegründet in 1875, sollten einen wichtigen Grundstein für den Übergang in ein modernes Rechts- und Justizsystem bilden. Zuständig für zivil- und wirtschaftsrechtliche Streitigkeiten zwischen AusländerInnen und Einheimischen sollten sie sowohl europäische als auch lokale Rechtsvorstellungen berücksichtigen. Resultat war eine hybride Rechtspraxis: weder vollständig europäisch noch rein lokal, bildete sie eine neue normative Schicht, die über ihren konkreten sachlichen und zeitlichen Anwendungsbereich hinausreichte.
Besonders interessant wird diese Dynamik im Kontext der Weltkriege: Konfrontiert mit Fragen, für die es in Bezug auf Ägypten kaum klare völkerrechtliche Vorgaben gab, entwickelten sie eigenständige rechtliche Argumentationen und gerieten dadurch in ein Spannungsfeld zwischen dem Anspruch politischer Neutralität und den realen Machtverhältnissen eines semi-kolonialen Systems.
Der Vortrag nimmt diese Gerichte als Akteure von Rechtstransformation in den Blick: In welcher Weise und auf welchen Ebenen entfaltete sich die transformative Wirkung der Rechtsprechung der Mixed Courts? Wie wirkten sich die Weltkriege als Kontexte tiefgreifender rechtlicher und politischer Spannungen auf den Status und die Rechtsprechung der Mixed Courts aus?