Datum/Zeit
7. Oktober 2026
19:00 - 21:00
Treffen der Wiener PRO SCIENTIA-Gruppe
mit einem Vortrag von Kristoffer Strum
Transformation durch Kunst? Perspektiven aus der Psychologie und der empirischen Ästhetik
Der Kunst wird oft eine geradezu mystische Eigenschaft zugeschrieben. Dazu gehört auch ein schwer zu greifendes Transformationspotenzial, von Aristoteles‘ Katharsis-Begriff bis zu Adornos Ästhetischer Theorie. Doch kann Kunst wirklich transformieren? Und wie soll das gehen?
Der Vortrag setzt sich damit auseinander, indem er zunächst philosophische bis psychologische Theorien vorstellt, die der Kunst eine
transformative Wirkung attestieren. Ausgehend davon muss zwischen sozial-gesellschaftlicher Transformation und phänomenologisch-transformativer Erfahrung unterschieden werden. Letztere spiegelt sich oft in Modellen der empirischen Ästhetik wider, mit denen sich der Vortrag mit Fokus auf das „Vienna Integrated Model of
top-down and bottom-up processes in Art Perception“ auseinandersetzt. Anschließend sichtet der Vortrag die empirische Grundlage kritisch: Sie deutet zwar auf einen distinkten Zustand transformativer Erfahrung sowie auf soziale Effekte wie Bindung und Wohlbefinden hin, das weitergehende gesellschaftlich-politische Transformationspotential im Sinne Rancières ist empirisch bislang jedoch kaum untermauert. Offen bleibt, ob und wie genau Mechanismen der Kunst in Bezug auf Transformation wirken, wie langfristig die Wirkung einer einzelnen Kunsterfahrung sein kann, und ob das Transformierende der Kunst auch negativ destabilisierend sein kann.